Herbst-AusFLUG an der Eisenbahnstraße

Start: rätselhafte Haustür Neustädter Str.

An einem milden und sonnigen Herbst-Sonntag im Oktober haben wir einen AusFLUG an der Eisenbahnstraße unternommen.
Dabei haben wir:
1. Übersichtliches,
2. Verborgenes und
3. Unsichtbares.
entdeckt.

Mit von der Partie sind der Dokumentarfilmer Birk Poßecker mit ein paar Freunden und Bekannten – aber Ihr könnt natürlich auch gerne mitkommen …

Und das ist der Tour-Plan:
von einer Locomotive in der Neustädter Straße geht es
zur verborgenen Pumpe im Freizeitpark Rabet und weiter über den Volkmarsdorfer Markt bis
zu einer Brache an der Eisenbahnstraße.

Auf geht’s!

1. Locomotive – Übersichtliches

Unser AusFLUG beginnt an der oben abgebildeten Haustür mit der ominösen Nummer 50. Nein, das ist nicht die Hausnummer, sondern eine alte Brandkataster-Nummer – also ein brandversicherungs-technisches Schild. Heute ist so ein Schild eher eine Rarität. Es erlaubt aber in alten Adress-Büchern der Stadt Leipzig nachzuschlagen und die hier an der Tür fehlende Hausnummer zu ermitteln: es handelt sich hier um das Haus Neustädter Str. 30. Dieses leer stehende Haus bildet mit dem Eckhaus zur Mariannenstraße ein Doppelhaus, das heute unter Denkmalsschutz steht (Objekt-ID 09293542). [Quelle #1]

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Im Eckhaus befand sich früher das Restaurant ,,Zur Locomotive“. Leider sind die alten Gaststätten-Inschriften inzwischen durch mehrere Lagen Graffitis übertüncht worden.
Auf dem rechten Bild geht es gerade um ein Bild vom Gastraum der ,Locomotive‘ aus dem Jahr 1940 und die Geschichte dieses etwa 150-jährigen Gebäudes [mehr dazu unten in der Blog-Literatur / Quellenangaben].

An der Ecke Neustädter/ Mariannenstraße kommt es inzwischen zu einem richtigen ,,AUSFLUG“. Birk P. hat neben seiner VHS-Kamera noch eine Drohne mit hochauflösender Kamera mitgebracht und so können wir aus übersichtlicher Perspektive einen erweiterten Blick auf die Häuser an dieser Ecke werfen:

Von oben kann man gut sehen, dass die Dächer der beiden Hausteile bereits instand gesetzt worden sind. Die vielen Schornsteine auf dem Eckhaus deuten aber darauf hin, dass noch keine Sanierung der alten Heizanlagen erfolgte – die benachbarten Häuser sind da besser dran.
Außerdem sieht man unsere Ausflugs-Gruppe zwischen den ,,30er“-Beschriftungen an der Straßenecke stehen. Zufälligerweise handelt es sich beim Haus ja auch um die Nummer 30 … 😉 😉

Weiter geht’s über Neustädter Straße, Runki-Platz und ein Stück durch den Rabet-Park bis zur Elsastraße.

2. Pumpe – Verborgenes

Links vom Torbogen an der Elsastraße gehen wir auf der Straße mit der merkwürdigen Bezeichnung ,Rabet‘ noch ein paar Schritte weiter bis zur Nr. 14. Dieser Straßenname weist auf eine alte Schönefelder Flurbezeichnung hin. Erstaunt können wir gegenüber der Hausnummer 14 im Gebüsch auf der Parkseite eine alte verborgene Handschwengel-Pumpe sehen, siehe Bild rechts. Diese Pumpe ist aber nur im Winterhalbjahr zu sehen, wenn das Gebüsch nur noch wenig belaubt ist. Interessanterweise ist diese Pumpe ebenfalls in der Liste der sächsischen Kulturdenkmale (Objekt-ID09294889) verzeichnet – allerdings mit dem Hinweis, dass diese ,Handschwengelpumpe Nr. 141‚ ,abgebaut‘ ist. [Quelle #2]
Genau genommen, gibt’s diese Pumpe also gar nicht!
Aber, wie kommt die Pumpe eigentlich hier her?
Zur Erklärung zeige ich hier zwei Bilder:

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Freier Platz am Rabet zwischen Neuschönefeld, Reudnitz und Volkmarsdorf (1902/ 1975)

Aus der Kartenskizze links ist ersichtlich, dass die Gegend am heutigen Rabetpark früher sehr kleinteilig bebaut war. Die ,Wasserpumpe‘ stand auf einem freien kleinen Platz neben einem Kriegerdenkmal aus den 1870er Jahren. Beides hatte unmittelbar vor dem alten Neuschönefelder Gemeindeamt (Rabet 13) gestanden. Auch auf dem rechten Foto sind Pumpe und das inzwischen fast leer stehende Eckhaus Rabet 13 an der Einmündung der Melchiorstraße noch zu sehen.

Der Flächenabriss des alten Neuschönefeld und dessen Umgestaltung zum heutigen Stadtteilpark begann im Jahr 1976. Heute stehen von dieser ursprünglichen Häuserzeile nur noch die Gebäude gegenüber vom Park.
Im Mai dieses Jahres habe ich von Kerstin R. ein interessantes historisches Bild aus etwa dem gleichen Blickwinkel erhalten. Darauf ist ihre Großmutter gegen Ende der 1930er Jahre auf diesem kleinen Platz vor dem Kriegerdenkmal und dem Haus Rabet 13 zu sehen. Ganz rechts am Bildrand ist auch ein Stück Pumpe zu sehen/ zu erahnen.

Wir haben uns an dieser Stelle ausführlich über die Themen Pumpe und Denkmal ausgetauscht [Mehr dazu unter Blog-Literatur / Quellenangaben].

Doch nun weiter zu Fuß entlang der Straße Rabet bis zur Liebmannstraße, die seit dem Jahr 1992 die Ortsteilgrenze zu Volkmarsdorf bildet.

3. Brache – Unsichtbares

Auf der Volkmarsdorfer Seite gehen wir durch die Dornberger Straße bis zu einem Zwischenstopp am Volkmarsdorfer Marktplatz. Dieser Platz heißt übrigens erst seit 1907 offiziell ,Volkmarsdorfer Markt‘, vorher nur einfach Markt und zwischendurch Horst-Wessel-Platz bzw. Ernst-Thälmann-Platz. Hier schauen wir uns kurz um. Auf dem Markt steht die im Frühjahr 1893 eingeweihte Lukaskirche. Die Bebauung rings um den Markt ist zum größten Teil neu und stammt aus den 1980/90er Jahren. Auf der linken Straßenseite zwischen der Zollikofer- und der Konradstraße stand bis zum Jahr 1904 die alte Dampfbier-Brauerei von Ferdinand Rühl. Alte Biermarken und Flaschenstopfen von Bügelflaschen erinnern noch daran:

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Weiter geht’s durch die Elisabethstraße bis zur Eisenbahnstraße und dort rechts um die Ecke bis zu einer heute merkwürdig anmutenden Geländeformation. Auf der stadtauswärtigen linken Seite der Eisenbahnstraße befindet sich heute eine etwa 1 1/2 Meter über dem Straßenniveau liegende weitestgehend begrünte Brachfläche. Wo könnte das herkommen?
Ein Blick auf eine Karte der Leipziger Umgebung aus dem Jahr 1860 klärt da auf:

Ursprünglich gab es nordöstlich von Volkmarsdorf auf einem Hügel eine Windmühle. Beim Bau der Eisenbahnlinie Leipzig-Dresden war im Jahr 1836 östlich des damaligen Kirchwegs (heute: Hermann-Liebmann-Str.) niveaubedingt ein Gelände-Einschnitt erforderlich.

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Geschichte an der Brache mit Treppe zum Grundstück Eisenbahnstr. 103/105

Als die Eisenbahnlinie ab 1879 nach Norden verlegt wurde, die Eisenbahnstraße angelegt und bebaut wurde, blieb an dieser Stelle eine 1 1/2 Meter hohe Geländeabstufung erhalten. An dieser Stelle entstand in den Jahren 1887/88 die ,,Villa Rühl“.
Ja, richtig: es geht um den schon genannten Volkmarsdorfer Brauereibesitzer Ferdinand Rühl.
Dieses Gebäude (Eisenbahnstr. 103) wurde in den 1990er Jahren abgerissen [Mehr zu dieser Brache unter Blog-Literatur / Quellenangaben].

Leider habe ich bisher kein Foto oder Bild zu dieser Villa entdecken können. Deshalb habe ich mittels Vorder- und Seitenansicht aus den Bauakten im Stadtarchiv Leipzig die obenstehende Gebäudeskizze gezeichnet [Quelle #3].
Zugegeben, etwas Fantasie habe ich dabei einfließen lassen …

Auf der Brachfläche endet unser kleiner Sonntags-Ausflug an der Eisenbahnstraße.
Durchaus empfehlenswert und nachvollziehbar.
[An dieser Stelle gab es Beifall von den Teilnehmern!]


Literatur und Quellenverzeichnis

Blog-Literatur:

Quellen:

Quelle #1: Liste der Kulturdenkmale in Neustadt-Neuschönefeld – Wikipedia

Quelle #2:   Literatur über Leipziger Handschwengelpumpen findet man z.B. Wikipedia Übersicht bzw. Liste

Quelle #3: Stadtarchiv Leipzig, polizeiliche Bauakten Nr. 24866, Eisenbahnstr. 103, Blätter 2 bis 4

weitere Quellen: Skizzen, Karten und Bilder aus dem eigenen Archiv

persönliche Informationen:

  • Gabriele Israel, frühere Mieterin im Haus ,Lokomotive‘ Neustädter Str. 30
  • Kerstin R., Nutzung eines Bildes mit ihrer Großmutter vorm ,Kriegerdenkmal‘ am Rabet 1938 (Pumpenschwengel rechts)
  • Birk Poßecker, die Nutzung von Standbildern der VHS-Kamera und der Drohnenaufnahmen
  • Frank Heinrich für die Überlassung und Nutzung der Bilder zur Brauerei Rühl.

Vielen Dank an alle!

2 Gedanken zu “Herbst-AusFLUG an der Eisenbahnstraße

  1. Vielen Dank für den interessanten Herbst-AusFLUG, an dem ich gern teilgenommen habe. Auch dieser Beitrag ist gut gelungen und macht neugierig die vielen Links und weiteren Beiträge zu lesen.

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